Hadsch

Wenn die Hadsch zur Konsumreise verkommt…

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Autor: Bruder Sajjad

Im Namen des Erhabenen

Es ist die Zeit gekommen, in der die Muslime ihre Vorgehensweise hinsichtlich der Hadsch stark überdenken sollten. Denn es ist ein unübersehbarer Konsumcharakter aufgekommen, der jegliche Spirirtualität erstickt und dem eigentlichen Sinn der Hadsch zuwiderläuft. ٍEin 600 Meter hoher Uhrenturm und unzählige Shoppingmalls tun ihr Übriges, um die heiligen Ziele der Pilgerfahrt zu degradieren.

Ich kann mich noch sehr gut an eine ältere Dame erinnern, die stolz herumposaunte, dass sie insgesamt vierzehn Mal die Hadsch vollzogen habe. Anstatt zu hinterfragen, welchen Sinn es ergibt, so oft die Pilgerfahrt zu verrichten, haben die anwesenden Schwestern ihr leider noch mit lautem „MashAllah“ auf die Schultern geklopft und ihre Vorgehensweise zur eigenen Lebensmaxime erkoren. Nach dem Motto: Je öfter, umso frommer; je mehr, umso besser. Dabei geht es bei der Hadsch, wie auch bei allen anderen gottesdienstlichen Handlungen, nicht darum, die Quantität auf das Größtmögliche zu steigern, sondern darum, dass man eine reine Absicht und ein aufrichtiges Herz dabei hat. 

Um dem Konsumwahn Einhalt zu gebieten, ist es deshalb notwendig, auf überflüssige Hadsch- und Umrareisen zu verzichten. Es ist nur Pflicht, sich einmal auf die Hadsch zu begeben. Die finanziellen Mittel, die man für zusätzliche Hadsch-Fahrten zur Verfügung hat, kann man in weitaus segensreichere Projekte investieren. Man kann Arme speisen oder zwei bedürftigen Seelen eine Hochzeit und einen würdigen Start in das Eheleben finanzieren. Oder man kann in Bildung investieren, indem man bspw Muslimen aus ärmeren Familien unter die Arme greift, damit sie sich ein Studium leisten können. Der Kreativität für einen sinnvolleren Geldeinsatz sind hierbei keine Grenzen gesezt. 

Auch würden jene, die auf ihre xte Hadschreise verzichten, die Chance vergrößern, dass auch andere Muslime die Möglichkeit haben, einmal in ihrem Leben die ersehnte Pilgerfahrt zu vollziehen. Denn zum einen sind den meisten Ländern feste Pilgerkontingente zugeteilt, die nicht überstiegen werden dürfen. Melden sich mehr an, als Plätze zur Verfügung stehen, können naturgemäß nicht alle mit auf die Hadsch. Zum anderen steigen natürlich, so will es das Gesetz von Angebot und Nachfrage, die Preise, je mehr Personen sich für die Hadsch registrieren. Dies führt dazu, dass viele ärmere Muslime die Pilgerfahrt nicht antreten können, weil ihnen schlichtweg das Geld dazu fehlt. Dass die Kosten für die Hadsch auch so schon unverschämte und unnachvollziehbare Ausmaße angenommen haben, sei nur am Rande erwähnt.

Diejenigen, die zur Hadsch gehen, sollten zudem versuchen, ihre Ausgaben vor Ort zu drosseln. Es gehört zum teuflischen Plan, die Muslime von der spirituellen Dimension der Hadsch abzulenken. Der Teufel beabsichtigt, dass die Muslime  irgendwelche Konsumtempel vor Augen haben, anstatt das Haus Gottes im Herzen. Die Gläubigen sollten hierbei schlauer sein, um nicht auf solch simple Tricks hereinzufallen. Ein Bruder, den ich kenne, hat seinen Verwandten jeweils einen kleinen Geldbetrag in die Hand gedrückt, damit sie sich selbst kaufen, was ihnen gefällt, und er nicht unzählige Stunden für das Besorgen von Mitbringeln verschwenden muss. Die hierbei gesparte Zeit konnte er für die Reinigung seiner Seele aufwenden. Mit solch einfachen Methoden kann man gesellschaftlich auferlegten Konsumzwängen entkommen, und sich ganz dem eigentlichen Zweck der Hadsch zuwenden. Und der ist ganz sicher nicht, die meiste Zeit beim Einkaufen zu verbringen.

Die Muslime sollten aber auch ingsesamt einen weitaus bewussteren Umgang mit ihrem Geld pflegen, und darauf achten, wofür sie es aufwenden. Denn die von Gott anvertrauten Güter bringen gleichzeitig eine Verantwortung mit sich. Und am Tage des Gerichts muss ein jeder Rede und Antwort stehen, inwiefern er dieser Verantwortung gerecht geworden ist. Ob er die göttlichen Gaben vernünftig ausgegeben hat oder sie unbedacht verpulverte.

Euer Bruder Sajjad

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