monotheist

War der Vater Abrahams (a.s) ein Monotheist?

In Alle Artikel, Wissenschaftliches by gedemi

Autor: Ali Taleb A.

Übersichtsverzeichnis:

  • Die Problematik 
  • Einige Prinzipien der Koran-Interpretation 
  • Die sprachliche Dimension
  • Die koranische Dimension
  • Die hadith-basierte Dimension

Die Problematik:
Allah (s.t) sagte in seinem heiligen Buch:
[21:52] (Damals) als er zu seinem Vater und seinen Leuten sagte: „Was sind das für Standbilder, denen ihr euch (in eurem Kult) hingebt?“
[43:26] Und (damals) als Abraham zu seinem Vater und seinen Leuten sagte: „Ich bin unschuldig an dem, was ihr (als göttliche Wesen) verehrt“
[6:74] Und als Abraham zu seinem Vater Azar sagte: „Nimmst du Götzen zu Göttern? Ich sehe dich und dein Volk in einem offenbaren Irrtum“.

In diesen Versen berichtet Allah (s.t) von einem Gespräch zwischen dem Propheten Abraham (Ar. Ibrahim) (Friede seit mit ihm) und seinem Vater Azar. Abraham (a.s) tadelt oder, milde ausgedrückt, kritisiert Azar dafür, dass er Götzen zu Göttern nimmt. Dass diese Handlung aus der Sicht des Eingott-Glaubens eine sehr große Sünde darstellt und daher zu verurteilen ist, steht außer Zweifel. In diesen Versen sorgt aber etwas anderes für etwas Verwirrung. Dies ist die Tatsache, dass der Vater von Abraham (a.s) ein Götzendiener war. Die Schiiten insgesamt und ein Teil der Sunniten glauben aber, dass die Väter der Propheten an den einen und einzigen Gott glauben. Auf die Begründung dieser Überzeugung werden wir in diesem Artikel nicht eingehen. Auf den ersten Blick, scheint jedoch diese Überzeugung im Widerspruch zum Koran zu stehen. Wir interessieren uns hier also für die Frage, wie sich die Überzeugung mit den Aussagen in diesen Versen vereinbaren lässt. Unser Ziel ist also zu zeigen, dass Azar nicht der leibliche Vater von Abraham (a.s) ist.

Einige Prinzipien der Koran-Interpretation 

Bevor auf Thema detailliert eingegangen wird, ist es wichtig, einige Prinzipien fest zu legen, an die man sich bei der Interpretation und der Exegese des Koran halten muss. Die Festlegung dieser Prinzipien hilft dabei, viele Fehler zu vermeiden und stellt einen Rahmen für das richtige Verständnis der Inhalte dar. Bevor wir die Prinzipien darlegen, führen uns zunächst Bekanntes vor Augen vor: Der Koran ist das unverfälschte Wort Allahs, in dem keine Widersprüche enthalten sind und nur Wahres vermittelt wird.

1. Prinzip: Der Koran erklärt sich selbst.

Es gibt Verse und Ausschnitte im Koran, die andere Verse und Ausschnitte besser beleuchten und dazu führen, dass man den Inhalt entweder ganz versteht oder besser beleuchten kann. Dieses Prinzip besagt grob formuliert, dass es möglich ist, andere Verse aus dem Koran zu nehmen, um die Mehrdeutigkeit anderer Verse aufzuheben.

2. Prinzip: Die Erklärung de Propheten dominiert den Koran.

Damit ist gemeint, dass wenn vom Propheten überliefert wird, dass der eine oder andere Vers die eine oder andere Bedeutung hat, dann geht die Erklärung des Propheten (s.a.a.s) vor. Würde man also durch Studium eines koranischen Ausschnitts zu einer von mehreren Bedeutungen tendieren und stellt man danach fest, dass der Prophet eine andere Bedeutung für die richtige erklärt hat, dann muss man die Erklärung des Propheten nehmen und unsere Tendenz verwerfen.
Dieses Prinzip ist aber an zwei weiteren Bedingungen gekoppelt. Zum einen muss man sicher sein, dass die Kette der Überlieferung gesund ist. Zum anderen muss man sicher stellen, dass der Inhalt der Überlieferung den Koran nicht widerspricht. Dabei bedeutet ein Widerspruch die sprach-logische Unmöglichkeit der Konsistenz zwischen dem Inhalt des Hadith und dem Inhalt des Koran. Letzteres formulieren wir wie folgt als weiteres Prinzip.

3. Prinzip: Die Überlieferung, die den Koran widerspricht, wird gegen die Wand geworfen.

Dabei bedeutet, dies nicht, dass die Aussage des Propheten (s.a.a.s) den Koran widersprechen kann. Der Prophet (s.a.a.s) ist unfehlbar und seine Aussagen, stammen aus der direkten oder indirekten Offenbarung. Es ist lediglich so, dass eine Überlieferung mit einer gesunden Überlieferungskette nicht zwingend vom Propheten stammen muss. Sie legt lediglich eine vom Gesetzgeber bindende Vermutung nahe. Dies ist aber solange der Fall, bis wir einen offenbaren Widerspruch zum Koran finden, dann muss man davon ausgehen, dass diese Überlieferung nicht vom Propheten (s.a.a.s) oder seine Ahlulbait (a.s) stammt.

4. Prinzip: Die naheliegende Bedeutung hat den Vorrang und die Beweiskraft.

Dieses Prinzip heißt auf arabisch („Hudschiyyat A-thuhur“) und bedeutet, dass die Bedeutung, die unter den Sprachkundigen als die naheliegende eingestuft wird, die Beweiskraft hat, solange kein anderer Hinweis dagegen spricht.

Die sprachliche Dimension

Es ist zunächst wichtig, um diesen scheinbaren Widerspruch aufzuheben ein sprachliches Element in diesem Vers genauer zu untersuchen. Es geht um das arabische Wort für „Vater“. Im arabischen gibt es für Vater zwei bekannte Worte. Das erste ist „Ab“ und das andere ist „Walid“ (langes a  und kurzes i). Das Wort „Walid“ bedeutet der Zeugende bzw. der Mann, der einen Menschen gezeugt hat. Auf Deutsch würde man sagen „der leibliche Vater“. D.h. würde „Walid“ im Koran eingesetzt werden, dann gibt es keinen Weg daran vorbei zuzugeben, dass damit der leibliche Vater gemeint ist. In diesem genannten Vers und allen anderen Versen, die mit diesem Thema zusammen hängen, wurde dieses Wort nicht verwendet, sondern stets das Wort „Ab“. Das Wort „Ab“ ist mehrdeutig, da sie mehrere Bedeutungen tragen kann. Es bedeutet entweder „der leibliche Vater“ oder „die männliche Person, die einen ernährt und aufzieht“ und somit die Rolle des Vaters übernimmt oder „der Onkel väterlicherseits oder mütterlicherseits“ oder „der Schwiegervater“oder „der große und angesehene in seinem Volk“. Im Koran wurde das Wort „Ab“ in den ersten drei Bedeutungen verwendet und dies an Stellen, die mit diesem Thema nichts zu tun haben.

 

1. Verwendung (Leiblicher Vater):
[12:4] (Damals) als Joseph zu seinem Vater sagte: „Vater! Ich habe (im Traum) elf Sterne und die Sonne und den Mond gesehen. Ich sah sie (voller Ehrfurcht) vor mir niederfallen.“

Die Muslime sind sich einig und der Kontext macht es deutlich, dass Joseph (a.s) mit in diesem Vers mit seinem leiblichen Vater Jakob (a.s) spricht.

2. Verwendung (Die männliche Person, die einen ernährt und aufzieht)
[33:40] Muhammad ist nicht der Vater von (irgend) einem eurer Männer (auch wenn dieser sein Nennsohn ist). Er ist vielmehr der Gesandte Allahs und das Siegel der Propheten. Allah weiß über alles Bescheid.

In diesem Vers wird das Wort Vater zwar im Sinne von „leiblichem Vater“ und nicht im Sinne von „männliche Person, die einen ernährt und aufzieht“ verwendet aber sie weist auf diese letztere Bedeutung hin und beweist, dass es sie gibt. Hintergrund ist das Zurückweisen des Vorwurfs, dass der Prophet (s.a.a.s) die ehemalige Frau seines Sohnes heiraten würde. Denn Zaid, die Person, die der Prophet (s.a.a.s) großgezogen hat, wurde damals als Sohn des Propheten (s.a.a.s) angesehen, obwohl er nicht sein leiblicher Sohn ist. Und somit wurde der Prophet (s.a.a.s) als sein Vater im zweiten Sinne angesehen. Dann aber haben einige Menschen dies verwechselt und Zaid mit einem leiblichen Sohn gleich gestellt, weswegen sie es als verwirrend angesehen haben, dass der Prophet (s.a.a.s) seine Ex-Frau heiratet. Allah (s.t) hat dann diesen Vers herab gesandt, um den richtigen Maßstab zu setzen. Der richtige Maßstab ist die Berücksichtigung der leiblichen Verwandtschaft. Der Vers verneint also nur die Vaterschaft im schöpferischen Sinne.

3. Verwendung (Onkel):
[2:133] Wart ihr zugegen, als der Tod Jakob nahte? Da er zu seinen Söhnen sprach: „Was werdet ihr nach mir anbeten?“, antworteten sie: „Wir werden anbeten deinen Gott, den Gott deiner Väter – des Abraham, des Ismael und des Isaak -, den Einigen Gott; und Ihm ergeben wir uns.“

Hier wird Ismael als Vater von Jakob genannt, obwohl er nur sein Onkel ist.
Zusammenfassung: das Wort „Ab“ kann sprachlich auf drei verschiedene Art und Weisen eingesetzt werden. Daher ist die Aussage des Verses nicht eindeutig. D.h. man kann, auch wenn man nur diesen Vers betrachtet, keine Gewissheit haben, dass Azar der leibliche Vater von Abraham (a.s). Fairerweise muss man aber unter Anwendung des vierten Prinzips sagen, dass die Interpretation des Wortes Vater als „leiblicher Vater“ Vorrang hat und Beweiskraft besitzt. Würden sonstige Hinweise auf Gegenteiliges fehlen, muss man zugeben, dass der leibliche Vater von Abraham (a.s) ein Götzendiener war.

Die koranische Dimension

Basierend auf dem letzten Abschnitt, stellt sich die Frage, ob man aus dem Koran dieses Thema noch näher beleuchten kann. Lässt sich Prinzip 1 hier anwenden?
Wenn wir uns die Verse des Koran anschauen, in denen die Beziehung zwischen Abraham (a.s) und seinem Vater thematisiert wird, stellen wir Folgendes fest:

Das Versprechen Abrahams:

Abraham (a.s) versprach seinen Vater für ihn um Vergebung zu bitten:
[19:41-49] Und gedenke in der Schrift des Abraham! Er war ein Wahrhaftiger und ein Prophet. (Damals) als er zu seinem Vater sagte: „Vater! Warum verehrst du etwas, was weder hört noch sieht noch dir (irgend) etwas hilft?“ Vater! Ich habe Wissen erhalten, das du nicht erhalten hast. Folge mir, dann führe ich dich einen ebenen Weg! Vater! Diene nicht dem Satan! Der Satan ist gegen den Barmherzigen widerspenstig.“Vater! Ich fürchte, dass du vom Barmherzigen eine Strafe erleiden und daraufhin ein Freund des Satans werden wirst.“ Er sagte: „Willst du denn meine Götter verschmähen, Abraham? Wenn du (damit) nicht aufhörst, werde ich dich bestimmt steinigen. Lass dich eine Zeit lang nicht mehr vor mir blicken!“ Abraham sagte: „Heil sei über dir! Ich werde meinen Herrn für dich um Vergebung bitten. Er ist mir gnädig gesinnt (und wird meine Bitte nicht abschlagen). Und ich halte mich von euch und von dem fern, wozu ihr betet, statt zu Allah, und bete (allein) zu meinem Herrn. Vielleicht habe ich, wenn ich zu meinem Herrn bete, keinen Misserfolg.“ Nachdem er sich nun von ihnen und dem, was sie an Allahs Statt verehrten, ferngehalten hatte, schenkten wir ihm den Isaak und den Jakob. Und jeden (von ihnen) machten wir zu einem Propheten.

[60:4] In Abraham und denen, die mit ihm waren, habt ihr doch ein schönes Beispiel. (Damals) als sie zu ihren Landsleuten sagten: „Wir sind unschuldig an euch und an dem, was ihr an Allahs Statt verehrt. Wir wollen nichts von euch wissen. Feindschaft und Hass ist zwischen uns offenbar geworden (ein Zustand, der) für alle Zeiten (an dauern wird), solange ihr nicht an Allah allein glaubt.“ Abraham sagte allerdings zu seinem Vater„Ich werde (Allah) bestimmt für dich um Vergebung bitten. Doch vermag ich gegen Allah nichts für dich auszurichten. Herr! Auf dich vertrauen wir, und dir wenden wir uns (bußfertig) zu. Bei dir wird es (schließlich alles) enden.“

Dieses Versprechen wurde vor seiner Auswanderung gemacht (siehe fettmarkiertes):
[19:41-49] […] Abraham sagte: „Heil sei über dir! Ich werde meinen Herrn für dich um Vergebung bitten. Er ist mir gnädig gesinnt (und wird meine Bitte nicht abschlagen). Und ich halte mich von euch und von dem fern, wozu ihr betet, statt zu Allah, und bete (allein) zu meinem Herrn. Vielleicht habe ich, wenn ich zu meinem Herrn bete, keinen Misserfolg.“ Nachdem er sich nun von ihnen und dem, was sie an Allahs Statt verehrten, ferngehalten hatte, schenkten wir ihm den Isaak und den Jakob. Und jeden (von ihnen) machten wir zu einem Propheten. 

Dieses Versprechen wurde in seinem frühen Leben und somit vor der Geburt seiner Söhne erfüllt:
[26:70-89] Da er zu seinem Vater und seinem Volke sprach: „Was betet ihr 

an?“ Sie sprachen: „Wir beten Götzen an, und wir sind ihnen stets zugetan.“ Er sprach: „Hören sie euch, wenn ihr (sie) anruft? Oder nützen sie oder schaden sie euch?“ Sie sprachen: „Nein, aber wir fanden unsere Väter bei dem gleichen Tun.“ Er sprach: „Seht ihr denn nicht, was ihr da angebetet habt, Ihr und eure Vorväter? Sie sind mir feind; nicht so der Herr der Welten, Der mich erschaffen hat, und Er ist es, Der mich richtig führt, Und Der mir Speise und Trank gibt. Und wenn ich krank bin, ist Er es, Der mich heilt, Und Der mich sterben lassen wird und mich dann wieder zum Leben zurückbringt, Und Der, ich hoffe, mir meine Fehler verzeihen wird am Tage des Gerichts. Mein Herr, schenke mir Weisheit und füge mich zu den Rechtschaffenen; Und gib mir einen bleibenden Ruf bei den künftigen Geschlechtern. Und mache mich zu einem der Erben des Gartens der Glückseligkeit; Und vergib meinem Vater; denn er war einer der Irrenden;Und überlasse mich nicht der Schande an dem Tage, da (die Menschen) auferweckt werden, Dem Tage, da weder Besitz noch Söhne frommen, Sondern nur der (gerettet werden wird), der ein heiles Herz zu Allah bringt.“

[37:85-101] (Damals) als er zu seinem Vater und seinen Leuten sagte: „Was verehrt ihr? Wollt ihr in lügenhafter Weise (andere) Götter an Allahs Statt haben? Was meint ihr denn von dem Herrn der Menschen in aller Welt? (Wollt ihr ihn nicht als euren alleinigen Gott anerkennen?)“ Und er warf einen Blick auf die Sterne und sagte: „Ich bin krank“. Da kehrten sie ihm den Rücken und ließen ihn allein zurück). Er wandte sich nun ihren Göttern zu mit den Worten: „Wollt ihr (denn) nicht essen (was man euch vorsetzt)?“ „Warum sprecht ihr nicht?“ Und er wandte sich gegen sie und schlug mit der Rechten (auf sie) ein.  Da kamen sie eilends auf ihn zu. Er sagte: „Wollt ihr (denn) etwas verehren, was ihr (selber zurecht) meißelt, wo doch Allah euch, und was ihr macht, geschaffen hat?“ Sie sagten: „Errichtet für ihn einen Bau und werft ihn in das lodernde Feuer!“ Sie wollten eine List gegen ihn anwenden. Aber wir bewirkten, dass sie (selber) es waren, die unterlagen. Und Abraham sagte: „Ich will (jetzt) zu meinem Herren gehen. Er wird mich recht leiten. Herr! Schenke mir einen von den Rechtschaffenen (als Leibeserben)!“ Und wir verkündeten ihm einen braven Jungen.

Die Lossagung von seinem Vater:
Nach der Erfüllung des Versprechen hat sich Abraham (a.s) von seinem Vater losgesagt, da ihm klar wurde, dass er Allahs Feind ist:

[9:113-114] Der Prophet und diejenigen, die glauben, dürfen (Allah) nicht für die Heiden um Vergebung bitten – auch (nicht) wenn es Verwandte (von ihnen) sein sollten -, nachdem ihnen (endgültig) klar geworden ist, dass sie (wegen ihres hartnäckigen Unglaubens) Insassen des Höllenbrandes sein werden. Und als (seinerzeit) Abraham für seinen Vater um Vergebung gebeten hat, so (hat er das) nur (getan) auf Grund eines Versprechens, das er ihm (vorher) gegeben hatte. Als ihm (nachträglich) klar wurde, dass er ein Feind Allahs war, sagte er sich von ihm los. Abraham war empfindsam und mild.

Dieser Vers verbietet es den Muslimen Allah um Vergebung für die Götzendiener zu bitten, nachdem ihnen endgültig klar geworden ist, dass sie vehemente Feinde des Glaubens sind. Es geht daher um ein religionsrechtliches Urteil, welches sich auf das Diesseits bezieht. Anschließend wurde Abraham (a.s) entschuldigt und erwähnt, dass er sich von seinem Vater losgesagt hat, sobald es ihm klar geworden ist, dass dieser ein vehementer Feind Allahs ist. Diese Lossagung bezieht sich also ebenso auf das Diesseits, sonst würde die Aussage zum Kontext der Gesetzgebung nicht passen.
Also haben wir von dieser kurzen Analyse zwei Ergebnisse:

  • Es kann nicht sein, dass Abraham (a.s) nach dieser Lossagung nochmal für seinen Vater um Vergebung gebeten hat. Das werden wir weiter unten bei der Schlussfolgerung nutzen.
  • Es lässt sich aus dem Vers extrahieren, dass Azar und Abraham (a.s) blutsverwandt sind, sonst würde die Gegenüberstellung (auch (nicht) wenn es Verwandte (von ihnen) sein sollten) nicht passen. Damit ist aber immer noch nicht gesagt, ob er sein leiblicher Vater oder sein Onkel o.ä ist.

Die Bitte um Vergebung für seine leiblichen Eltern:
Abraham hat nach der Geburt von Ismael und Isaac und somit in den letzten Jahren seines Lebens um Vergebung für seine leiblichen Eltern gebeten:

[14:37-41] Herr! Ich habe Leute aus meiner Nachkommenschaft in einem Tal, in dem kein Getreide wächst, bei deinem geheiligten Haus Wohnung nehmen lassen, Herr, damit sie das Gebet verrichten. Mach, dass das Herz von (gewissen) Menschen sich ihnen zuneigt, und beschere ihnen Früchte! Vielleicht werden sie dankbar sein. Herr! Du weißt, was wir geheim halten, und was wir bekanntgeben. Vor Allah ist nichts verborgen, weder auf der Erde, noch im Himmel. Lob sei Allah, der mir trotz meines hohen Alters den Ismael und den Isaak geschenkt hat! Mein Herr hört es, wenn man (zu ihm) betet. Herr! Mach, dass ich das Gebet verrichte, (ich) und (auch) Leute aus meiner Nachkommenschaft, Herr, und nimm mein Gebet an! „Herr! Vergib mir und meinen Eltern und den Gläubigen am Tag, da die Abrechnung anhebt!“

Aus diesen Versen erkennen wir Folgendes:

  • Allah (s.t) sagt im Koran, dass er es nicht verzeiht, dass man ihm Partner bei gesellt. Prophet Abraham (a.s) kennt diese Wahrheit sicherlich. Azar war ein Götzendiener, so dass Prophet Abraham (a.s) nach dem Tod von Azar mit seiner Vergebung hätte nicht rechnen können ([4:48], [4:116]). Hier sehen wir aber, dass Abraham (a.s) darum bittet, dass Allah seinen Eltern am Tage der Auferstehung vergibt.
  • Im Sure 26 hat Abraham das Versprechen, das er Azar gab, erfüllt. Dort aber wird nur sein Bittgebet für den Vater erwähnt, nicht aber für seine Mutter. Zudem wird die Bitte auch begründet (denn er war einer der Irrenden), im Gegensatz zu den zuletzt erwähnten Versen, in dem die Bitte absolut ohne Einschränkung getätigt wird. Daher unterscheiden sich beide Bitten essentiell. Die erste Bitte für den Vater in Sure 26 ist die Bitte um Rechtleitung. Denn es gibt zwei Arten von Vergebung, die Vergebung die es überhaupt möglich macht, dass man seine Sünde bereut und die Vergebung der Sünde selbt.
  • Zum anderen fand dieses Bittgebet (in diesen zuletzt erwähnten Versen) gegen das Ende des Lebens von Abraham statt, wie aus den Versen ersichtlich ist, so dass wir mit großer Sicherheit sagen können, dass es nach dem Tod seines Vaters und somit nach der Lossagung von diesem Vater stattgefunden hat und nachdem es ihm klar wurde, dass er der Feind Allahs ist.
  • Basierend auf den Erkenntnissen des letzten Abschnitts, ist es auch deutlich, dass Abraham nach der Lossagung von diesem Vater für ihn nicht mehr gebetet haben könnte. Hier in diesem Vers sehen wir aber, dass er für seine Eltern um Vergebung bittet.
  • Zudem erwähnt er im Vers seine Eltern nach sich selbst und vor den Gläubigen,was ein weiterer Hinweis dafür ist, dass sie gläubig waren. Es wäre nämlich fern anzunehmen, dass er Ungläubige unter Gläubigen in einem Atemzug und so selbstverständlich erwähnt
  • Mit den Eltern sind auch sicherlich die leiblichen Eltern gemeint. Das wissen wir aus dem eingesetzten arabischen Wort „Waliday“ (so viel wie „meine beiden Zeuger“). Bemerkenswert ist, dass Abraham im Gegensatz zu allen anderen Versen hier das Wort „Walid“ und nicht „Ab“ verwendet.

Alles in allem ist koranisch deutlich geworden, dass Azar mit dem Propheten Abraham (a.s) verwandt ist, dass er aber nicht sein leiblicher Vater ist.

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