Einheit Schiiten und Sunniten

Über die islamische Einheit

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Über die islamische Einheit

Nachwuchsautor: Br. Osama Hazime

Oft hören wir in den Medien und auch allgemein in der Gesellschaft  von den Trennungsgründen, Konflikten und Unterschieden zwischen Schiiten und Sunniten. Dabei werden die Gemeinsamkeiten außer Acht gelassen, um ein einheitliches Miteinander zu verhindern und Zwietracht in der muslimischen Glaubensgemeinschaft zu säen. Im Vergleich zu den relativ wenigen Unterschieden, sind die Gemeinsamkeiten wesentlich größer. Im Folgenden seien beispielhaft ein paar aufgezählt: Wir dienen und beten denselben und einzigen Gott an, verehren denselben Propheten, glauben beide an denselben Koran, der vom selben Erzengel Gabriel offenbart worden ist und haben beide dasselbe Glaubensbekenntnis.

Jeder Muslim ist Repräsentant und Botschafter des Islams und hat die Pflicht, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten. Indem nun Unterschiede von einigen muslimischen Rednern aufgesucht und auf eine unangemessene Art und Weise verbreitet werden, wird Unheil in der Gesellschaft – auch in der muslimischen Gemeinschaft – gestiftet, welches dem Glaubensprinzip "Gutes gebieten und Schlechtes verwehren" widerspricht. Auch feindlich gesinnte Mächte bedienen sich dieser Unterschiede und versuchen unter den Schiiten und Sunniten zu spalten, um deren imperialistische Ziele – aufgebaut auf Korruption und Verdorbenheit – zu erreichen.

Der Oberhaupt des Iran – Sayyed Ali Khamenai h. – einer der wissendsten muslimischen, schiitischen Gelehrten – hat sich zu dem Thema "Islamische Einheit" wie folgt geäußert:

"Sie wollen Zwietracht und Konflikte schüren und die Muslime voneinander trennen. Es gibt keinen Unterschied zwischen Muslimen und Gläubigen verschiedener Rechtsschulen. Der gemeinsame Punkt aller ist der Islam, es ist die islamische Gemeinschaft und ihre Einheit."

An diesem Zitat erkennen wir, dass eine hoch angesehene Persönlichkeit unter den Schiiten ganz klar für die islamische Einheit steht und keine Unterschiede zwischen den Gläubigen verschiedener Rechtsschulen (seien sie hanafitisch, hanbalitisch, schafiitisch, malikitisch oder dschafaritisch) macht. Diese Position vetreten unzählige Anhänger der dschafaritischen Rechtsschule. Hier ist  selbstverständlich nicht gemeint, dass es keine Unterschiede in den rechtswissenschaftlichen Lehren gibt, sondern vielmehr, dass in der Menschlichkeit und in der Dienerschaft zu Gott und Gefolgschaft zum Propheten keine Unterschiede vorhanden sind.

Oft wird darüber gepredigt, dass bei Defiziten zwischen den einzelnen Glaubensströmungen und deren Zweige, die Meinugsverschiedenheiten auf beste Art und Weise ausgetragen werden sollen. Doch was genau zählt zu der besten Art und Weise? Die beste Art und Weise ist, meiner Meinung nach, das Aufsuchen wissenschaftlicher Punkte in den ideologischen Lehren einer Glaubensströmung und die Widerlegung falscher Inhalte, in einer geziemenden Vorgangsweise. Dazu zählt, sein Gegenüber zu respektieren und keine seiner heiligen Persönlichkeiten zu beleidigen. Eine Diskussion, die auf Respektlosigkeit und Beleidigung basiert, hat kein standfestes Fundament und führt folglich zu keiner Lösung des Diskussionsgegestandes. Zudem sollten nur kompetente und islamisch ausgebildete Menschen an so einer Diskussion teilhaben, sonst kommt es schnell zu Verwirrungen und Verzerrungen in der Verbreitung und Aneignung islamischer Lehren.

Wenn wir uns eine Diskussion über einen bestimmten Sachverhalt in der Anatomie des menschlichen Leibs, zwischen Dr. med. X und Schüler Y vorstellen, in der versucht wird ein kompliziertes medizinisches Problem zu lösen, wäre eine solche Verfahrensweise  vernünftig oder eher nicht zielführend? Eindeutig nicht zielführend. Wieso sollte dann eine Diskussion über ein kompliziertes islamisches Thema von Menschen geführt werden, die islamisch betrachtet nicht ausgebildet sind? Das spricht gegen jegliche Vernunft.

Eine sehr bekannte Aussage – die sich auch viele Muslime zu Herzen nehmen – ist die Aussage von einem der wissendsten und bedeutendsten schiitischen Gelehrten Sayyed Ali Sistani h. aus dem Irak:

"Unsere Botschaft ist der Aufruf zur Einheit und ich habe stets gesagt, sagt nicht „unsere Brüder die Sunniten“, sondern sagt: „unsere Selbst die Sunniten“. Ich höre mir die Freitagspredigten der Sunniten öfter an, als die der Schiiten."

Die Sunniten sind den Schiiten also viel näher als manch ein Muslim denkt. Deshalb ist es ratsam, sich für die Einheit zwischen Schiiten und Sunniten einzusetzen, was nicht bedeutet, dass der Schiite oder der Sunnite seine Glaubensüberzeugungen ablegen muss. Islamische Einheit bedeutet, dass der Schiite die Glaubensüberzeugungen des Sunniten akzeptiert und umgekehrt, und gleichzeitig das Wort der Einheit (Tauhid) zur Einheit des Wortes hochhält. Vielleicht nehmen wir uns ein Beispiel an diesem geehrten Gelehrten und versuchen auch öfter mal sunnitische Moscheen zu besuchen und eventuell Kontakte zu knüpfen. Vielleicht wär es eine gute Idee, wenn Redner verschiedener Glaubensrichtungen in der jeweils anderen Moschee Reden halten würden, um die islamische Einheit zu stärken.

Zu guter Letzt ein schöner Koranvers, den jeder sich auf die Zunge zergehen lassen möge:


"Und haltet euch fest am Bindeseil Allahs, allesamt, und spaltet euch nicht!"  (3:103)

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