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Stellungnahme zur Eid-Diskussion

In Alle Artikel, Wissenschaftliches by gedemi

Autoren: Ali Taleb und Bruder Sajjad

Im Namen Allahs, des Allerbamers, des Barmherzigen

Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten
Und der Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seiner reinen Familie, seinen aufrechten Gefährten und allen Gläubigen, Gelehrten, und Propheten von Adam bis zum Tage des Jüngsten Gerichts.

Inhaltsverzeichnis

  • Vorwort
  • Einleitung
  • Allgemeine Problematik
  • Ursachen für die Verwirrung unter den Anhängern Imam Khamenei’s
  • Die Vorgehensweise der beiden Gruppen
  • Der Beginn und das Ende des Monats Ramadhan basiert auf der lokalen Mondsichtung
    • Beweise (durch Fatwas und Erklärungen)
  • Weitere Problematiken
    • Direktbefolger und Indirektbefolger
    • Es ist nicht möglich, dass beides richtig ist
    • Vorwurf der Übertreibung
    • Zerstörung der Einheit
    • Versuche andere Erklärungen zu finden
    • Imam Khamenei ist der Imam der ganzen Welt
    • Eingeständnis ein Risiko einzugehen
  • Religionsrechtlich legitimer Vorschlag
  • Fazit

Vorwort
Der zuverlässige und aufrichtige Ratschlag, das Gebieten des Guten und das Verbieten des Schlechten stellen wesentliche Merkmale dar, durch die Allah (s.t) die islamische Ummah ausgezeichnet aber auch geschützt hat. Sie stellen ohne Zweifel eine hoch angesehene Pflicht dar, deren Erfüllung ein Zeichen von Liebe nicht von Hass, von Verantwortungsbewusstsein und nicht von falscher Schmeichelei ist. Basierend auf dieser islamischen Erkenntnis und aus Liebe zu unseren Geschwistern und aus Unzufriedenheit wegen der falschen Umstände, die in Deutschland vorherrschen, schreibt die „Gemeinschaft der Mitte“ die folgende Stellungnahme und bittet jeden, der sie liest und fordert ihn auf, ihn als gut gemeinten Ratschlag anzunehmen, der mit einer guten Absicht verfasst wurde. Gleichzeitig bitten wir darum, dass ihr uns dabei helft, dass diese Stellungnahme verbreitet wird, um der Vewirrung Einhalt zu gebieten.

Allah (s.t) sagte in seinem heiligen Buch:
[7:68] Ich richte euch (nur) die Botschaften meines Herrn aus und bin euch ein zuverlässiger Ratgeber.
An einer anderen Stelle heißt es:
[3:110] Ihr (Gläubigen) seid die beste Gemeinschaft, die unter den Menschen entstanden ist. Ihr gebietet, was recht ist, verbietet, was verwerflich ist, und glaubt an Allah.

Einleitung
Immer wieder mussten wir, vor allem in den letzten Jahren, mit Bedauern feststellen, dass unter den Befolgern Imam Khamenei’s (ha) bezüglich des Eintretens und des Endes vom heiligen Monat Ramadhan Verwirrung vorherrscht. Diese Art der Verwirrung, die vorwiegend in Deutschland festzustellen ist, kommt, unserer Ansicht nach, an erster Stelle aufgrund von islamrechtlich unhaltbaren Behauptungen und Thesen auf, die zu diesem Thema geäußert worden sind.

Wir haben versucht uns bei diesem Thema so lange wie möglich zurückzuhalten, um möglicherweise aufkommende Differenzen zu vermeiden, sehen uns nun jedoch in der Verantwortung diese Stellungnahme abzugeben. Dies ist vor allem deshalb notwendig, da der Radius von Geschwistern, die von dieser Verwirrung betroffen sind immer weiter zugenommen hat und sich auch vermehrt Geschwister wegen dieses Themas an uns gewendet haben, um zu wissen was Sache ist. Wir möchten damit erreichen, dass die islamrechtlich korrekte Praxis bei der Feststellung der genannten Tage deutlich wird und auch die inkorrekten Tendenzen diesbezüglich widerlegt werden.

Zunächst einmal ist festzustellen, dass es bei der Klärung solcher Fragestellungen sehr wichtig ist, dass eine wissenschaftliche Vorgehensweise vorgenommen wird und die Aussagen mit Belegen untermalt werden. Daher haben die Geschwister die Problematik gemäß der Methodik Imam Khameneis und der islamischen Rechtswissenschaft (Fiqh) analysiert und haben hierfür auch eigene Fatwas vom Büro eingeholt. Die folgenden Passagen basieren also auf den genannten Methodiken.

Allgemeine Problematik
Im Allgemein ist es so, dass die verschiedenen befolgbaren Großgelehrten der dschafaritischen Rechtsschule (Maradschi‘) verschiedene Rechtsurteile bezüglich der genannten Fragestellung abgegeben haben. Diese Verschiedenheit basiert hierbei auf der komplexen, feinen und genauen Verfahrensweise, um bei einem bestimmten Thema einen islamischen Rechtsspruch zu tätigen. So stellt sich zunächst die Frage, wie der Mond gesichtet werden kann? Kann man Hilfsmittel verwenden? Und wenn ja welche? Ist das Sehen mit dem Auge relevant oder ist das Auge nur ein Mittel um zum Wissen zu gelangen? Es gibt aber auch einen zweiten Fragenkomplex, der die Relevanz der Sichtung des Mondes in einem Ort für andere Orte thematisiert. Soll man nach dem Prinzip der lokalen oder dem der globalen Sichtung gehen? Sind Länder die westlich vom Land, in dem der Mond gesichtet wurde, von dieser Sichtung betroffen? Solche Fragen müssen basierend auf dem heiligen Koran und den edlen Überlieferungen beantwortet werden. Bei der Beantwortung solcher Fragen, werden die verschiedensten Wissenschaften eingesetzt, von der Tradentenwissenschaft über die Hadithwissenschaften bis hin zu den Grundlagen des Textverständnisses im Rahmen der Prinzipienwissenschaft, um zu einer sicheren Antwort zu kommen. Diese Komplexität führt in der Praxis dazu, dass auf Grundlage der verschiedenen Rechtsurteile der jeweiligen Großgelehrten Unterschiede beim Beginn und Ende des Monats Ramadhan aufkommen.

Es ist verständlich, dass die Muslime sich nach einem einheitlichen Monat Ramadhan sehnen. Jedoch sind die Forschungsergebnisse, zu denen die geehrten Großgelehrten kommen für sie verbindlich und sie müssen Rechtsurteile basierend ihrer eigenen Methodik erlassen, damit sie sich vor Allah rechtfertigen können. Diese Realität herrscht nicht nur bei dieser Problematik sondern auch bei anderen Fragestellungen vor.

Nun könnte bei einigen Geschwistern der Eindruck entstehen, dass die Meinungsverschiedenheit etwas Negatives ist. Wer sich aber mit der wissenschaftlichen Seite der religiösen Forschung beschäftigt und auskennt, der wird feststellen, dass genau diese Meinungsverschiedenheit die Ursache für den Fortschritt und die Entwicklung des islamischen Rechts (Fiqh) ist. Ohne diese verschiedenen Methodiken würde der Islam seine drei Haupteigenschaften, die seine Größe ausmachen (Globalität, Ewigkeit und Vollständigkeit) gänzlich verlieren. In der Zeit der großen Verborgenheit gibt es hierzu keine Alternative. Die Geschwister die sich nach der Einheit im Monat Ramadhan sehnen, sollten daher diese Realität akzeptieren und sich noch mehr für die Rückkehr des Verborgenen Imams (aj.) einsetzen.

Ursachen für die Verwirrung unter den Befolgern Imam Khamenei’s
Anders als bei den Meinungsunterschieden der Großgelehrten gibt es für die Befolger Imam Khamenei’s keine legitime Grundlage für unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Feststellung des Beginns und Endes des heiligen Monat Ramadhan, da eindeutige Fatwas von Imam Khamenei vorliegen, die keine anderen Interpretationen zulassen. Leider gibt es dennoch, gerade bei den Befolgern Imam Khamenei’s in dieser Fragestellung eine Spaltung, die bei den Befolgern keines anderen Mardschas vorherrscht. Hinzu kommt, dass diese Spaltung unter den weltweiten Befolgern Imam Khameinei’s, unserer Kenntnis nach, eine Spezialität des deutschsprachigen Raums ist.

Das Problem besteht darin, dass für die abweichende Vorgehensweise in dieser Fragestellung bisher von den Befolgern dieser Praktik keinerlei (noch nicht einmal tendenzielle) Beweise vorgebracht werden konnten. Es geht nicht darum, die Geschwister die so handeln als solches zu verurteilen. Dennoch muss deutlich gesagt werden, dass diese Vorgehensweise den klaren Anweisungen und Fatwas Imam Khamenei’s eindeutig widerspricht und gar dessen Autorität untergräbt. Der Islam ist keine Religion, die auf Vermutungen, auf Tendenzen oder auf Emotionen beruht. Vor allem das islamische Recht ist ein sehr empfindliches Gebiet, das für den Laien keinen Raum für eigenwillige Interpretationen lässt. Es ist von den wahrhaftigen Großgelehrten bekannt, dass sie zittern wenn sie ein islamisches Rechtsurteil (Fatwa) erlassen. Darum ist es nicht verständlich wie gerade bei einem so wichtigen Thema wie dem Fasten und dem Fastenmonat Ramadhan derartige Aussagen ohne Beweise getätigt werden.

Die Vorgehensweise der beiden Gruppen
Es gibt in Deutschland also bezüglich dieser Fragestellungen zwei Richtungen unter den Befolgern Imam Khamenei’s.

Beide Gruppen stimmen darin überein, dass Imam Khamenei die lokale Mondsichtung als Grundlage für die Bestimmung des Monats Ramadhan betrachtet. Weiter stimmen beide Gruppen darin überein, dass das Islamische Zentrum Hamburg die Kompetenzen aufweist und auch die Stelle ist, um die relevanten Daten für den Monat Ramadhan für Deutschland zu verkünden.

Die Problematik besteht jedoch hierin, dass eine der beiden Gruppen zusätzlich behauptet, dass es erlaubt sei das Fasten, ohne Berücksichtigung der Sichtung des Mondes in Deutschland, zu der Zeit zu beginnen und zu beenden, wie Imam Khamenei. Das bedeutet in der Praxis, dass diese Geschwister ihr Fasten an dem Tag beginnen, an dem Imam Khamenei sein Fasten beginnt und an dem Tag beenden, an dem Imam Khamenei sein Fasten beendet. Sie berücksichtigen hierbei also nicht, dass seine Verkündungen sich lediglich auf den Iran (und alle Orte, die mit Iran den Horizont teilen) und nicht auf Deutschland beziehen. Sie betrachten es also nicht als eine Notwendigkeit, dass in Deutschland der Mond gesichtet wird. Mit dieser Vorgehensweise wollen sie ihre Verbundenheit mit Imam Khamenei ausdrücken. Es muss hier erwähnt werden, dass diese Gruppe eine kleine Minderheit von den Anhängern Imam Khamenei’s ist. Dennoch wird diese Vorgehensweise von vielen anderen Geschwistern wahrgenommen, was die oben genannte Verwirrung auslöst.

Die andere Gruppe, die die große Mehrheit ist, lehnt diese Vorgehensweise ab, da sie nicht auf den Fatwas Imam Khamenei’s basiert und keine islamrechtliche Grundlage hat und sogar vom Imam selbst durch seine Fatwas ausgeschlossen worden ist.

Der Beginn und das Ende des Monats Ramadhan basiert auf der lokalen Mondsichtung
Es gibt zahlreiche Fatwas, die eindeutig besagen, dass man für die Feststellung des Beginns und des Endes des Monats Ramadhan seinen eigenen lokalen Horizont berücksichtigen muss. Es gibt keine Fatwa, die besagt, dass es den Muslimen erlaubt sei den eigenen lokalen Horizont unberücksichtigt zu lassen und gleichzeitig mit dem Wali al Faqih (also Imam Khamenei) den Monat Ramadhan zu beginnen und zu beenden. So eine Erlaubnis ist nicht bewiesen, sondern das Gegenteil ist bewiesen.

1. Fatwa: (Lokale Sichtung ist verpflichtend) 15.10.2007

Fatwa Nr.: 53631e
Frage:
Wir leben in Deutschland und wir haben das Fasten begonnen und gebrochen nach den Fatwas von Imam al Ka`ed (Führer). In diesem Jahr hatte das IZH eine andere Meinung über den Neumond. Wessen Meinung müssen wir berücksichtigen (Hamburg oder al Ka`ed)? Wenn der Ka`ed den Neumond gesichtet hat und das IZH nicht.
Antwort:
Man muss in Kenntnis gesetzt werden, dass der Neumond (Hilal) im Horizont eures Ortes sichtbar ist und das Sichten des neuen Mondes im Iran ist nicht immer ein Beweis für die Sichtbarkeit des Mondes in Deutschland. Auf jeden Fall ist Sayed Ghaem Maghami (Leiter des islamischen Zentrum in Hamburg) der offizielle Vertreter (Arabisch: Wakeel al-Schar’i) für Imam Khamenei.
Quelle:
Deutsch
http://www.shia-foru…eis/#entry96084
Arabisch (Original)
http://img503.images…e=312434rc8.jpg

Mehrere Geschwister darunter Moderatoren im Shia-Forum und Mitglieder der Gemeinschaft der Mitte wollten sichergehen, ob es nicht vielleicht doch eine Möglichkeit gibt, dass der Beginn des Monats Ramadhan und das Ende gleichzeitig mit Imam Khamenei begangen werden, ohne den eigenen lokalen Horizont zu berücksichtigen. Deshalb haben wir eigens eine Anfrage an das Büro geschickt:

2. Fatwa: (Lokale Sichtung ist verpflichtend)

Istifta‘ no.: 60908
Question:
1. „Is it allowed to start and end the month of Ramadhan with the imam (Wali e Faqih) (on the same time, when the imam declare it for the islamic state) even if the person lives somewhere where he has not the same horizon with the place where the imam declare the start or the ending dDay of the holy Month and he hasn’t any further astronomical reason to doing so?
2. Can a Muslim, no matter where in the world he lives, start and end the Month of Ramadhan with the Wali al Faqih?“

Frage:
Ist es erlaubt den Monat Ramadhan mit dem Imam (Wali al Faqih) (zur selben Zeit, wenn der Imam es für den islamischen Staat verkündet) zu beginnen und zu beenden, sogar wenn die (betroffene) Person an einem Ort lebt, der nicht den selben Horizont hat, für den der Imam den Beginn oder das Ende des heiligen Monats verkündet hat und er (ebenfalls) keine anderen astronomischen Begründungen hierfür aufweisen kann?
(d.h. Kann ein Muslim, unbeachtet dessen in welchem Teil der Welt er lebt, den Monat Ramadhan mit dem Wali al Faqih beginnen und beenden?)

Answer:
„To observe the local horizon is a must.“
Antwort:
„Es ist eine Notwendigkeit den lokalen Horizont zu berücksichtigen. „

Diese Fatwas zeigen eindeutig auf, dass es nicht erlaubt ist der Verkündung des Imams für dessen lokalen Horizont zu folgen, ohne dass man seinen eigenen Horizont berücksichtigt. Die Aussage in der zweiten Fatwa ist auch so knapp und eindeutig formuliert, dass Versuche einer Andersübersetzung und Andersdeutung dieser Fatwa sicherlich nicht für eine sachliche Umgangsweise mit dieser Fragestellung sprechen würden. Zu beachten ist auch der Kontext, in dem diese Antwort gefallen ist. Man hat die Frage gestellt ob man ohne Berücksichtigung des Horizontes mit dem Imam das Fasten beginnen oder brechen darf und dies wurde mit der Betonung auf die lokale Sichtung zurückgewiesen.

Die zweite Fatwa ist zudem am 21.08.2010 bei uns eingegangen, so dass abweichende Fatwas, falls sie vorliegen sollten (es wurden bisher auch keine älteren abweichenden Fatwas zur Beweisführung vorgelegt) aktueller sein müssten um ihre Gültigkeit aufzuheben.

Weitere Problematiken

Direktbefolger und Indirektbefolger
Im Zuge der Diskussion um dieses Thema haben einige Anhänger der unhaltbaren Theorie, dass man den Monat Ramadhan mit dem Imam beginnen und beenden solle, Begrifflichkeiten wie „Direkt“- und „Indirektbefolger“ eingeführt, um die beiden Gruppen zu unterscheiden. Diejenigen, die der lokalen Mondsichtung folgen und darum auf die Bekanntmachung des IZH vertrauen seien Indirektbefolger, während diejenigen, die gleichzeitig die genannten Tage mit Imam Khamenei begehen Direktbefolger seien. Auch wenn diese Formulierung nicht von allen Anhängern dieser Gruppe verwendet und teilweise auch zurückgewiesen wurde, so ist diese Unterscheidung eine unmittelbare Folge dieser Vorgehenweise. Ohne jemanden zu Nahe treten zu wollen, kann jedoch gesagt werden, dass diejenigen, die sich bezüglich des Fastenmonats ausschließlich darauf berufen, wann Imam Khamenei es beginnt und beendet, in dieser Fragestellung weder direkte noch indirekte Befolger Imam Khameneis sind, denn hierfür wäre es notwendig, dass die Fatwas Imam Khameneis als Grundlage der eigenen Vorgehensweise herangezogen werden, was nicht der Fall ist.

Es ist nicht möglich, dass beides richtig ist
Es ist sehr wichtig, dass man einer gültigen Begründung folgt, welchen Tag man als Eid betrachtet. Denn hört man auf zu fasten, obwohl noch kein Eid ist, so hat man sein Fasten zu Unrecht gebrochen und muss eigentlich dafür die religionsrechtlichen Konsequenzen tragen. Auf der anderen Seite ist der Fastenbrechtag einer der Tage, bei dem es verboten ist zu Fasten, so dass es ebenfalls falsch wäre, dass man fastet, obwohl bereits Eid eingetreten ist.

Einige Geschwister behaupten nun, dass für die Befolger Imam Khameneis beide Verfahrensweisen richtig seien. Diese Aussage ist weder islamrechtlich haltbar noch ist sie logisch. Denn es ist nicht möglich, dass sowohl an dem einen Tag Eid ist, als auch am anderen. Entweder hat der Imam so eine Aussage getroffen oder nicht. Wenn nicht, woher kommt dann diese Behauptung? Und welchen Wert hat sie? Wenn aber der Imam gesagt haben sollte, dass beides richtig ist, dann würde man ihm vorwerfen, dass er es erlauben würde einen Tag absichtlich zu brechen oder am Eidtag zu fasten, außer man würde meinen, dass es zwei Eidtage gibt, was noch merkwürdiger wäre und von keiner einzigen authentischen Überlieferung der Unfehlbaren untermauert werden könnte.

Vorwurf der Übertreibung
Es gibt über die Anhänger Imam Khameneis das Vorurteil, dass diese bei ihrer Befolgung übertreiben würden. Durch solche Vorgehensweisen, die man islamrechtlich nicht begründen kann, gibt man solchen Vorurteilen eine Grundlage. Und tatsächlich betrachten auch Befolger Imam Khameneis diese Vorgehensweise als eine Übertreibung, die nicht mit den Erlassen des Imams selbst im Einklang steht.

Zerstörung der Einheit
Es wurde mitunter argumentiert, dass man die Einheit fördern könne, wenn alle gemeinsam ihr Fasten beginnen und beenden. Dieses Argument ist zutreffend. Aber unabhängig davon, dass es nicht ein gültiges islamisches Rechtsurteil aufhebt, hat ebendiese abweichende Vorgehensweise zu einer Störung der Einheit deutscher Befolger Imam Khameneis geführt. Außerdem aus welchem Grund müssen alle Muslime auf der Welt ihr Fasten gemeinsam brechen? Wer sagt, dass dies islamisch gesehen ein anzustrebendes Ziel ist? Hierzu müssen Beweise vorgelegt werden. Würde Jemand auf die Idee kommen, mit dem Imam bspw. zum gleichen Zeitpunkt das Eidgebet zu verrichten? Natürlich nicht, da es unterschiedliche Gebetszeiten hier und da gibt. Und so ist es nach der Rechtssprechung Imam Khameneis so, dass man eben gemäß seines Horizontes handelt.

Versuche andere Erklärungen zu finden
Die Geschwister, die gleichzeitig mit Imam Khamenei den Monat Ramadhan beginnen und beenden, haben ebenfalls versucht durch andere Fatwas, die sich dann doch an astrogeologischen Bedingungen orientieren, zu erklären. Tatsächlich gibt es einige Fatwas, die den Anschein geben, dass sie zu einer solchen Konsequenz für Deutschland führen. Lasst uns diese Fatwas betrachten:

Deutschland liegt westlich von Iran:

1. Fatwa: (Früher als 29.09.2007)

Question:
1) does Iran and Germany has got the same horizon? Is it allowed for Imam Khameneis Moqallideen in Germany to begin the islamic months with Iran (according to Imam Khameneis announcements) and also celebrate the holy Eid-days with Iran?

2) does Iran and England has got the same horizon? Is it allowed for Imam Khameneis Moqallideen in England to begin the islamic months with Iran (according to Imam Khameneis announcements) and also celebrate the holy Eid-days with Iran?

FATWA No.: 21219e
Answer:
If the crescent is sighted in Iran, it is valid for the countries located west of Iran.

Quelle: http://www.shia-foru…nei/#entry92633
In der Fatwa steht, dass die Sichtung für die Länder bewiesen ist, die westlich von Iran liegen. Tatsächlich, wenn man diese Fatwa liest, dann denkt man: „Deutschland liegt westlich von Iran, also ist der Mond auch hier bewiesen und wir müssen unser Fasten brechen.“

Gibt es also einen Widerspruch?
Zunächst einmal muss man sagen, dass diese Fatwa noch weiter in der Vergangenheit zurückliegt als die bereits genannten Fatwas, so dass sie keine Gültigkeit hat, wenn neuere Fatwas ihr widersprechen bzw. abrogieren. Ein Marja kann seine Meinung bzgl. einer Rechtsfrage durchaus erneuern, verfeinern und ändern, so dass wir verpflichtet sind der neusten Meinung zu folgen, sobald wir von dieser Meinung erfahren.

Zu beachten ist aber auch, dass man die Gesamtheit der Fatwas betrachten muss, dass man die Worte eindeutiger und besser verstehen kann. In einer Fatwa im Fragenkomplex „Neue Rechtsfragen“ auf der Seite www.leader.ir (http://www.leader.ir…ex.php?catid=52) steht im Buch des Fastens, Kapitel über die Sichtung des Mondes die Frage „Urteil der Länder die westlich zum Sichtungsort liegen“.

Frage: Wenn der Mond in England gesichtet wird, ist es auch für jene Länder bewiesen, die westlich davon liegen?
Antwort: Wenn die Sichtung in einem Land zwingendermaßen mit der Sichtung oder der Möglichkeit der Sichtung in einem anderen Land einhergeht, dann ist dies ausreichend. Manchmal kann jedoch der große Unterschied im Ort basierend auf dem geographischen Längengrad dazu führen, dass die Sichtung im östlichen Land und die Möglichkeit dieser Sichtung im westlichen Land nicht miteinander einhergehen.

In dieser Fatwa ist deutlich zu sehen und gut zu verstehen, dass das Urteil in der Fatwa davor keine absolute Gültigkeit hatte. Es basierte auf der Ansicht, dass es eine Art Abhängigkeit zwischen der Sichtung im östlichen Land und dieser im westlichen Land gibt. Das ist auch meistens der Fall. Aber wenn der Unterschied im Breitengrad auch noch groß wird, ist dieser Zusammenhang zwischen der Sichtung im Osten und der Sichtung im Westen nicht mehr immer gegeben. Durch diese Feststellung wurde die Fatwa genauer als die früher genannte.

Dann gibt es noch eine Fatwa diesbezüglich, die ähnliches aussagt:

Frage: Wenn die Sichtung des Mondes in den östlichen Ländern bewiesen ist, ist dies dann auch in den westlichen Ländern bewiesen oder nicht? Und was ist die Grenze hier?
Antwort: Obwohl die Sichtung im östlichen Land meistens die Möglichkeit der Sichtung im westlichen Land bedeutet, aber dies ist manchmal, unter Berücksichtigung des großen Unterschied bzgl. des geographischen Längengrades, nicht mehr der Fall. Der allgemeine Maßstab ist dass die Möglichkeit der Sichtung im einen Land die Möglichkeit der Sichtung im anderen Land impliziert.

Quelle:
http://altahera.net/…ead_art&id=7953 (Die Quelle ist keine offzielle Seite des Imams aber die Fatwa ist auf vertrauenswürdigen Seite verbreitet, so dass es mit gutem Gewissen als authentisch eingestuft werden kann)
Eine weitere Quelle ist:
http://leader-khamen…32-18&Itemid=63
Nochmal der Maßstab ist nicht die Tatsache, dass das Land westlich vom anderen Land der Sichtung liegt, sondern dass die Möglichkeit der Sichtung in einem Land die Möglichkeit der Sichtung in einem anderen Land bedeutet. Da dies meistens der Fall ist, wenn das Land westlich vom Sichtungsort liegt, wurde dies in der ersten Fatwa so allgemein erwähnt, da anscheinend die ausschlaggebenden Breitengradunterschiede nicht beachtet wurden. Also gibt es nicht mal eine Fatwa, die die genannte Vorgehensweise eindeutig rechtfertigt.

Unverständlich ist aber, weshalb solche Argumente vorgebracht werden, wenn doch der eigentliche Beweggrund keine geographischen Fragestellungen sind, sondern die, dass man durch solch eine Vorgehensweise dem Imam sozusagen die Treue beweisen könne (sinngemäß).

Imam Khamenei ist der Imam der ganzen Welt:
Einer der Erklärungsversuche bewegte sich daher in die Richtung, dass Imam Khamenei, Imam der ganzen Welt ist und dass Iran keine Grenzen hat. Unabhängig davon ob diese Behauptung richtig ist oder nicht und selbst wenn wir annehmen, dass Iran keine Grenzen hat, obwohl er welche hat, so hilft dies in dieser Fragestellung nicht viel weiter.

Frage:
Wenn der 29.te Tag des Monat der Eid in Tahran und Khorassan ist, ist es dem Bewohner von Buschehr auch erlaubt, sein Fasten zu brechen? Erwähnenswert ist hier, dass Tehran und Khorassan(auf der einen Seite) und Buschehr (auf der anderen Seite) keinen gemeinsamen Horizont haben.
Antwort:
Wenn die Unterschiede im Horizont der beiden Städte so groß ist, dass es nicht möglich ist, den Mond in der einen Stadt zu sichten wenn man ihn in der anderen sichtet, dann ist es für die Bewohner der östlichen Stadt, bei der die Sonne vor der westlichen untergeht, nicht ausreichend, den Mond in der westlichen Stadt zu sichten. Anders ist es wenn es umgekehrt ist.

Quelle: http://arabic.irib.i…at/Alsoom01.htm

Hier sieht man, dass es selbst im Iran theoretisch dazu kommen könnte, dass der Monat nicht überall ausgerufen ist, so dass das Drehen und Wenden und die theoretische Erweiterung der Grenzen des Irans in keinster Weise weiterhelfen.

Eingeständnis ein Risiko einzugehen

Die Vertreter der genannten Gruppe geben zu, dass sie ein großes Risiko eingingen, weil sie nach ihrem eigenen Verständnis Experten in dieser Teilfrage seien und somit die Möglichkeit hätten in diesem Gebiet persönliche Rechtsfindung zu betreiben. Auch hier möchten wir niemanden zu nahe treten, aber es ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit so, dass die Thematik der persönlichen Rechtsfindung zu Einzelfragen missverstanden worden ist. Denn um solch ein Experte zu sein, muss man (wenn auch nur für eine Einzelfrage), die notwendige Ausbildung haben, um eine Rechtsfrage islamrechtlich zu analysieren. Hiermit sind tiefgründige Kenntnisse im Fiqh gemeint. Ohne eine religiöse Ausbildung und Kenntnisse der Methoden, wie man überhaupt Rechtsfindung betreibt, ist also diese Vorgehensweise nicht möglich. Uns ist nicht bekannt, dass Vertreter dieser Meinung ausreichende Kenntnisse haben, um persönliche Rechtsfindung zu betreiben. Es muss also gesagt werden, dass diese Vorgehensweise nicht lediglich risikoreich ist, sondern schlicht und einfach ungültig.

Religionsrechtlich legitimer Vorschlag
Wer unbedingt mit dem Imam sein Fasten brechen will, obwohl in seinem Ort eine Abweichung vom Iran festgestellt wurde, der hat noch eine religionsrechtliche legitime Möglichkeit hierzu. Er kann nämlich am letzten Tag des Monats reisen und sein Fasten brechen. Den Tag kann er später nachholen. Das soll kein Aufruf sein, dies unbedingt zu machen, es ist aber basierend auf dem, was bereits erklärt wurde, der einzige legitime Weg um sein Fasten ein Tag früher zu brechen. Diese Vorgehensweise kann man auch aus reinen Vorsichtsgründen anwenden.

Fazit:
Alles in allem muss man sagen, dass keine Beweise vorliegen, die den Beginn des Fastens und das Brechen des Fasten mit dem Imam rechtfertigen. Vielmehr gibt es Beweise dafür dass dies nicht erlaubt ist. Und alle andere Argumente, die in dieser Hinsicht gebracht werden, sind entweder nicht stichhaltig oder inkorrekt. Wir hoffen, dass durch diese Stellungnahme ein Beitrag dazu geleistet wurde, eine einheitliche und islamrechtlich korrekte Vorgehensweise bei der Befolgung der Fatwas Imam Khamenei’s zu bewirken.

Auch die Geschwister, die derzeit die andere Vorgehensweise praktizieren sind dazu angehalten ihre Verfahrensweise zu überprüfen und sie mit den Belegen und Fatwas abzugleichen. Sollten Unklarheiten vorherrschen sind wir jederzeit bereit eure Fragen zu beantworten. Sollten Beweise der Geschwister für ihre Vorgehensweise vorliegen, können diese gerne wissenschaftlich und sachlich diskutiert werden.

Es sei aber noch hinzuzufügen, dass diese Stellungnahme sich lediglich auf diese Fragestellung bezieht und wir auch die genannte Gruppe als unsere geehrten Geschwister im Glauben betrachten und uns sicher sind, dass diese falsche Vorgehensweise im Eifer des Guten entstanden ist. Unabhängig davon wünschen wir allen Geschwistern, dass ihr Fasten und ihre Gebete angenommen werden und dass wir bis zum nächsten Jahr auch in dieser Fragestellung inshallah der richtigen Praxis folgen.

Eure Gemeinschaft der Mitte

 

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