Muslime

Muslime, was habt ihr gegen Akhlaq?

In Alle Artikel, Gesellschaftliches by gdm

Autor: Bruder Sajjad

Im Namen des Erhabenen

Sowohl in schiitischen als auch sunnitischen Quellen ist folgende Überlieferung (mit leichten Abweichungen in den Worten) festgehalten worden:

Der Gesandte Allahs (s.) sprach: „Wahrlich, ich bin entsandt worden, um die vorzüglichen Charaktereigenschaften [Akhlaq] zu vervollkommnen.“

Diese Überlieferung macht deutlich, dass der Akhlaq einer der wichtigen Themen im Islam ist. Auch die Gelehrten bestätigen dies, indem sie sagen, dass er eines der drei Hauptgebiete der islamischen Lehre ist.

Deshalb ist es umso erstaunlicher, wenn einige die Augen verdrehen oder innerlich auf „Durchzug“ stellen, wenn auch nur das Wort „Akhlaq“ erwähnt wird. Vor allem dann, wenn darauf Aufmerksam gemacht wird, dass eine Handlung ohne den entsprechenden Akhlaq zu Schaden führen kann. Das Thema Akhlaq ist in den Augen einiger zu einem Nebenthema degradiert worden, mit dem lediglich einige Besserwisser die Menschheit belehren wollen.

Wenn Geschwister gerade dabei sind, mit Hochmut und Arroganz oder gar Schimpfwörtern „Dawa“ zu betreiben, dann kommt das Thema Akhlaq ungelegen, verdirbt den ganzen Spaß an der Sache, nimmt das Salz in der Suppe. Man war doch damit beschäftigt, diesen oder jenen fertig zu machen, und da kommst du mir nun mit Akhlaq und guten Charaktereigenschaften? Während du damit beschäftigt warst, von Akhlaq zu plappern, habe ich soundso viele Personen schachmatt gesetzt und ihnen gezeigt, wer die Hosen anhat. Soundso viele Personen habe ich zum Islam/ zum Sunnitentum/ zum Schiitentum gebracht, während du mit deiner Freundlichkeit und Barmherzigkeit keinen einzigen erreicht hast. In solchen Maßstäben denken einige leider.

So betrachtet man den Akhlaq lediglich als ein Hindernis, das einem dabei im Weg steht, so zu sein, wie man ist und nicht als eine Grundlage dafür, sich zu entwickeln, um besser zu werden. Denn Akhlaq setzt voraus, dass man sich Zeit nimmt und Zeit lässt und an sich arbeitet. Man muss sich selbst erziehen, bevor man andere erzieht. Das ist anstrengend, wie langsam Kauen im Schnellrestaurant.

Wörter wie Akhlaq, Barmherzigkeit, Liebe oder Freundlichkeit haben einen schwere Stand unter diesen Muslimen. Jeder Muslim weiß, dass diese Prinzipien fest zum Islam gehören und vom Propheten gelehrt wurden. Aber dennoch werden sie so ausgegrenzt, wie Streber in einer Asiklasse.

Deshalb muss deutlich gesagt werden, dass der Akhlaq kein kleines Nebenthema des Islam ist, womit sich lediglich einige Schleimer und Streber beschäftigen, sondern es ist eine Hauptsache, die den islamischen Handlungen ihre Essenz gibt.

Jawohl lieber Bruder, liebe Schwester, es ist deine Pflicht, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren. Lasse davon nicht ab! Aber wenn du das Gute gebietest, dann tue dies in einem angemessenen Ton, mit dem du das Gegenüber nicht verletzt oder kränkst. Denn ein falscher Ton kann dazu führen, dass er letztendlich wegen deiner Art vom Guten mehr abgeneigt ist als vom Schlechten. Denn im heiligen Qur’an heißt es hierzu:

„Und wärest du aber rau und hartherzig gewesen, so hätten sie sich von dir abgewandt.“ (3:159)

Und jawohl, lade ein zur Wahrheit. Aber wenn du zur Wahrheit einlädst, so tue dies nur mit wahrhaftigen Mitteln. Habe nicht die Absicht, als Sieger aus einer Debatte herauszustechen, bei dem du den anderen besiegt und vernichtet hast. Habe das Ziel, dass sowohl du als auch dein Gegenüber ihre Würde bewahren und ihr als gemeinsame Profiteure eines sittsamen und konstruktiven Gesprächs heraustrettet.
Denn so verlangt es auch der heilige Qur’an von uns:

„Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung auf, und streite mit ihnen auf die beste Art.“

Und wenn letztendlich Allah dir erlaubt hat und dir die Gunst erwiesen hat, dass durch deine Worte jemand das Licht der Wahrheit erkannt hat, so danke Allah dem Schöpfer allen Seins und sage nicht: „Ich habe ihn zum Islam gebracht.“ Denn im heiligen Qur’an heißt es hierzu:

„Und Allah leitet, wen Er will, auf einen geraden Weg.“ (2:213)
In diesem Sinne sollten wir uns alle innerlich aber auch in unseren Versammlungen und Treffen stärker diesem Thema zuwenden, damit wir dem Entsendungsgrund des Propheten, unsere Charaktereigenschaften zu vervollkommnen, entsprechen können.

Und wer dennoch keine Lust auf Akhlaq hat, den sollten wir in unsere Bittgebete mit einschließen, damit er diesen wunderbaren Aspekt der islamischen Lehre erkennen kann.

Wa Salam

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