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Die Welt zwingt uns, umzudenken!

In Alle Artikel, Gesellschaftliches by gedemi

Autor: Bruder Sajjad

Im Namen des Erhabenen

Verehrte Geschwister im Glauben, verehrte Geschwister im Menschsein,

es ist an der Zeit, an der wir anfangen müssen umzudenken. Damit wir aus der Geschichte lernen, und nicht die Fehler der Vorherigen begehen. Damit wir eine Generation sein können, die die Menschheit in eine neue Ära leitet. Damit einst unsere Nachkommen nicht mit gesenktem Kopf auf die Bilder ihrer Vorfahren blicken müssen. Die zunehmenden Krisen, Konflikte und Kriege dieser Welt, die vielen Unterdrückten und Entrechteten, die trockenen Rachen und tränenden Augen der Hungrigen, sie alle zwingen uns dazu. Jawohl, wir müssen umdenken. Wir müssen unsere bisherige Verfahrensweise ändern, damit wir uns entwickeln können, und nicht mehr stehenbleiben, gar zurückentwickeln.

Denn in der Welt ist es so, dass die meisten Menschen sich bei Auseinandersetzungen auf die Seite jener stellen, die ihnen selbst am nächsten sind. Für die einen ist hierbei wichtig, welchem Volk oder welcher Nation sie angehören, während andere eine Religion oder Denkschule, Konfession oder Richtung als Maßstab nehmen. Die Geschichte ist voll von Beispielen, wo auf Grundlage eines Zugehörigkeitsgefühls ganze Massen mobilisiert worden sind, die im Eifer ihrer Sache ganze Erdböden mit Blut durchtränkten. Man denke hierbei an die vermeintlich christlich motivierten Kreuzzüge der europäischen Staaten oder an die angeblich islamisch begründeten Eroberungskriege des osmanischen Reichs. Man denke an die ethnischen Verbrechen der letzten Jahrhunderte und die erschaffenen Krisenherde der vergangenen Jahre. Die Sache ist hierbei ganz einfach: Bist du Türke, so bist du mit den Türken; bist du Armenier, bist du mit den Armeniern; Christ, mit den Christen; Muslim mit den Muslimen. Wenn er erniedrigt, stehst du hinter ihm; wenn er ermordet, verteidigst du ihn; wenn er vergewaltigt, schaust du weg – denn das, was dem anderen geschieht, das geschieht ihm immer recht.

Doch genau diese Vorgehensweise ist falsch und muss überwunden werden; wir müssen anfangen in neuen Kategorien zu denken. Es kann nicht sein, dass ich automatisch hinter Verbrechern, Banditen und Tyrannen stehe, nur weil wir zufällig die ebenselbe Herkunft haben, oder weil sie äußerlich die Überzeugung spielen, die ich im Innern trage. Der Maßstab unserer Herzen sollte erhabener sein als ein bloßes Zugehörigkeitsgefühl, das nicht ausreicht, um dereinst als Argument standzuhalten, sollte der Würde unseres Menschseins entsprechen.
So kann man eine neue Einteilung vornehmen, die sich nur an einem Maßstab orientiert, der unabhängig von jeglicher Zugehörigkeit ist; und dieser Maßstab ist der Maßstab des Rechts.
Wenn jemand also vergewaltigt, mordet und raubt, so ist dieser gegen das Recht, und somit ein Unterdrücker, selbst wenn er zur engsten Familie gehört. Wenn jemand entrechtet, geschunden und entmenschlicht wird, dann ist das Recht mit ihm, und er ist ein Unterdrückter, selbst wenn man weiß und er schwarz, man Monotheist und er Polytheist sein sollte.

Wenn also dann ein Volk, wie das der Jemeniten, von einem Land, wie es Saudi-Arabien ist, angegriffen wird, dann entscheidet man sich nicht für jene Seite, deren Konfession man angehört. Man freut sich nicht über tote Kinder und Frauen, weil diese Schiiten sind, und es deshalb „nicht anders verdient haben.“ Man stellt sich nicht hinter eine Familie, wie es die Saudis sind, die fest mit dem Terror in dieser Welt verwoben sind, und nicht davor zurückschrecken würden, die beiden islamischen Heiligtümer in einem Gewaltakt zu zerstören. Vielmehr reinigt man zuerst sein Herz und seine Seele von allen Ungerechtigkeiten und Vorurteilen und nimmt daraufhin Geschichte und Fakten als Zeuge.

Wenn man so verfährt, wird es nicht lange dauern, zu erkennen, wer der Aggressor ist, und wer lediglich seine Souveränität verteidigt; nicht schwer zu sehen, wer reich und mächtig ist, und wer zu den Armen und Barfüßigen dieser Welt gehört. Und so wie man hier verfahren sollte, sollte man immer verfahren, damit man Unterdrücker von Unterdrücktem unterscheidet, und nicht in Parteilichkeit gefangen ist. Denn auch wenn es schwer sein mag, sich von der Last der Zugehörigkeit zu befreien; der Lohn dieser Befreiungsarbeit ist groß. Denn wie süß ist die Stimme des Rechts, wenn man sie deutlich vernimmt, und wie angenehm ist die Seelenruhe, wenn man weiß, dass das Herz am rechten Flecke schlägt.

Ich wünsche euch den Frieden und Segen Gottes

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